Konferenz Rio+20: News vom Erdgipfel (Franko Petri)
>>> Samstag, 23.06.2012
Ein Erdgipfel der Schande für die kommenden Generationen
Der dritte Tag des Erdgipfels geht langsam seinem Ende zu. Im Park hinter den Konferenzhallen fand gerade eine Aktion statt. Zwei unterschiedliche gesellschaftliche Kräfte versuchten sich im Seilziehen. Auf der einen Seite die Manager der transnationalen Konzerne in ihren dunklen Anzügen. Auf der anderen Seite ziehen die Zivilgesellschaft und die Umweltorganisationen. Es geht um 1.000 Milliarden Dollar an Subventionen für die Ölindustrie. Mitten drin im Geschehen eine Pappmachefigur der brasilianischen Präsidentin Dilma Rousseff. Sie hätte es in der Hand gehabt, den Erdgipfel nicht zu einem Minimalkompromiss werden zu lassen.
Die Aktivisten skandieren „Save Rio+20! – Rettet den Erdgipfel!“. Doch dafür ist es jetzt schon zu spät. Das Ergebnis des Gipfels lag bereits vor, bevor diese UN-Konferenz für Nachhaltige Entwicklung (UNCSD) begonnen hatte. Die Konferenz war geprägt von blutleeren schwachen Formulierungen, fehlenden klaren Zielen und einer Roadmap für deren Verwirklichung.
Rio+20 wurde zum Gipfel der Schande für kommende Generationen. Es fehlte an einer Vision für eine wirklich grüne Kreislaufwirtschaft. Die umweltschädigenden Subventionen werden in absehbarer Zeit nicht abgeschafft. Öl, Kohle, Gas, Atomkraft werden weiter fleißig subventioniert. Die Landwirtschaft und industrielle Fischerei darf weiterhin unsere natürlichen Ressourcen ausbeuten. Der ökologische Fußabdruck vergrößert sich immer mehr und die Artenvielfalt wird weiterhin dezimiert. Es gibt kein klares Bekenntnis für einen Fahrplan zur Implementierung nachhaltiger Entwicklungsziele.
Ganz umsonst war der zweite Erdgipfel der Geschichte nicht. Die Regierung Großbritanniens kündigte an, dass 1.000 Unternehmen ihren ökologischen Fußabdruck messen müssen. Das könnte sich zu einem Modell für Europa entwickeln. Acht Entwicklungsbanken wollen in den nächsten Jahren 175 Milliarden Dollar in den Ausbau des öffentlichen Verkehrs und die Radwege der Städte stecken. Die brasilianische Umweltministerin Izabella Teixeira kündigte gestern Abend an, 250 Millionen Dollar aus öffentlichen und privaten Geldern zum Schutz von zehn Prozent des brasilianischen Amazonasregenwaldes aufzutreiben.
Natürlich sind das nur Tropfen auf den heißen Stein im Vergleich zu dem, was die Welt brauchen würde um genügend Wasser, Nahrung und nachhaltige Energie bis zum Ende dieses Jahrhunderts bereit zu stellen – ohne Gentechnik, ohne Atomkraft aber „erdräglich“ angesichts der zur Neige gehenden Ressourcen.
Draußen vor dem Konferenzzentrum dröhnen noch immer die Militärhubschrauber. Soldaten und Polizisten bewachen die letzten Premierminister der reichen Länder, die heute bis spät am Nachmittag ihre Reden der Rechtfertigung halten. Hunderte von Journalisten raufen sich zwar noch um die Abschlussinterviews mit Politikern. Aber nach neun Tagen in Rio ist die Luft schon ziemlich draußen und der Megakomplex wirkt wie eingehüllt in eine Wolke aus Valium im Vergleich zum Megastress in der ersten Woche. Auch ich und meine KollegInnen vom WWF werden heute unsere Zelte abbrechen und freuen uns schon ein Wochenende der Ruhe nach diesem Marathon von unzähligen Veranstaltungen, Hunderten von Interviews, Gesprächen und Verhandlungen.

Draußen verteilen Jugendliche aus Deutschland Armbänder aus grüner Wolle an die Delegierten. Die Bänder sollen die politischen Entscheidungsträger auch nach dem Erdgipfel an ihre Verantwortung für unseren Planeten erinnern. Denn es geht um die Zukunft einer Menschheit, die umlernen muss.
Das Seilziehen zwischen der Natur und einer zersplitterten Menschheit wird weitergehen. Das hat dieser Gipfel deutlich gezeigt. Wir dürfen gespannt sein, wer das Seilziehen gewinnen wird…
Rio+20 wurde zum Gipfel der Schande für kommende Generationen. Es fehlte an einer Vision für eine wirklich grüne Kreislaufwirtschaft. Die umweltschädigenden Subventionen werden in absehbarer Zeit nicht abgeschafft. Öl, Kohle, Gas, Atomkraft werden weiter fleißig subventioniert. Die Landwirtschaft und industrielle Fischerei darf weiterhin unsere natürlichen Ressourcen ausbeuten. Der ökologische Fußabdruck vergrößert sich immer mehr und die Artenvielfalt wird weiterhin dezimiert. Es gibt kein klares Bekenntnis für einen Fahrplan zur Implementierung nachhaltiger Entwicklungsziele.
Ganz umsonst war der zweite Erdgipfel der Geschichte nicht. Die Regierung Großbritanniens kündigte an, dass 1.000 Unternehmen ihren ökologischen Fußabdruck messen müssen. Das könnte sich zu einem Modell für Europa entwickeln. Acht Entwicklungsbanken wollen in den nächsten Jahren 175 Milliarden Dollar in den Ausbau des öffentlichen Verkehrs und die Radwege der Städte stecken. Die brasilianische Umweltministerin Izabella Teixeira kündigte gestern Abend an, 250 Millionen Dollar aus öffentlichen und privaten Geldern zum Schutz von zehn Prozent des brasilianischen Amazonasregenwaldes aufzutreiben.
Natürlich sind das nur Tropfen auf den heißen Stein im Vergleich zu dem, was die Welt brauchen würde um genügend Wasser, Nahrung und nachhaltige Energie bis zum Ende dieses Jahrhunderts bereit zu stellen – ohne Gentechnik, ohne Atomkraft aber „erdräglich“ angesichts der zur Neige gehenden Ressourcen.
Draußen vor dem Konferenzzentrum dröhnen noch immer die Militärhubschrauber. Soldaten und Polizisten bewachen die letzten Premierminister der reichen Länder, die heute bis spät am Nachmittag ihre Reden der Rechtfertigung halten. Hunderte von Journalisten raufen sich zwar noch um die Abschlussinterviews mit Politikern. Aber nach neun Tagen in Rio ist die Luft schon ziemlich draußen und der Megakomplex wirkt wie eingehüllt in eine Wolke aus Valium im Vergleich zum Megastress in der ersten Woche. Auch ich und meine KollegInnen vom WWF werden heute unsere Zelte abbrechen und freuen uns schon ein Wochenende der Ruhe nach diesem Marathon von unzähligen Veranstaltungen, Hunderten von Interviews, Gesprächen und Verhandlungen.
Draußen verteilen Jugendliche aus Deutschland Armbänder aus grüner Wolle an die Delegierten. Die Bänder sollen die politischen Entscheidungsträger auch nach dem Erdgipfel an ihre Verantwortung für unseren Planeten erinnern. Denn es geht um die Zukunft einer Menschheit, die umlernen muss.
Das Seilziehen zwischen der Natur und einer zersplitterten Menschheit wird weitergehen. Das hat dieser Gipfel deutlich gezeigt. Wir dürfen gespannt sein, wer das Seilziehen gewinnen wird…
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>>> Donnerstag, 21.06.2012
Der Erdgipfel beginnt und die Rionauten marschieren
Am Mittwoch war der erste offizielle Tag des Erdgipfels und irgendwie scheint alles in Agonie zu liegen. Viele Premierminister, Minister und Regierungsspitzen sagten ihre Teilnahme ab. Begründung: Der Text, den keiner so richtig will, ist fertig. Es gab nur wenige unwesentliche Änderungen. Wozu kommen überhaupt noch Politiker in die Stadt? Die Unterhändler und Diplomaten haben eh schon alles erledigt und es braucht nur noch die Absegnung ihrer Chefs.
Die Stadt gleicht einer belagerten Festung, mehr als 15.000 Polizisten sind im Einsatz. Um den riesigen Komplex des Riocentro stehen alle 30 Meter schwerbewaffnete Elitesoldaten. Ständig kreisen Hubschrauber über der Stadt. Links und rechts sind an den offenen Seiten Soldaten mit Maschinengewehren postiert. Selbst über den Stränden Copacabana und Ipanema dröhnt der Lärm der olivgrünen Rotoren. Der Verkehr ist extrem dicht und die Luft ist zum Schneiden. Der Lärm ist unerträglich – Hubschrauber, Autos, Klimaanlagen. Es dauert Stunden um zum Konferenzzentrum zu kommen, egal ob mit Bus oder Taxi. Anti-Bombenkommandos stehen vor dem Haupteingang. Die Sicherheitskontrollen werden immer schärfer.
Im Riocentro wird es immer schwieriger für die Organisationen der Zivilgesellschaft Sitzplätze, Netzwerkkabel und Steckdosen zu bekommen. Räume für Pressekonferenzen sind Mangelware. Viele Veranstaltungen mussten abgesagt werden. Einige wurden in den „Park der Athleten“ verlegt, einem riesigen Expo-Gelände wo sich die großen Konzerne dieser Welt präsentieren und zeigen wollen, wie grün sie nicht sind.

Nach einer Woche Arbeit hier geht nicht nur die physische Energie sondern auch die Stromversorgung aus. Das Internet fällt streckenweise komplett aus. Ein Schock für die Tausenden hochkarätigen Konferenzteilnehmer und Journalisten, die es gewohnt sind mit ein paar Mausklicks die Meinungen von Hunderten von Millionen Menschen zu steuern. Bei Hunderten von Mails, die täglich auf dem Blackberry allein vom WWF eintreffen, glaubt man schon an den Weltuntergang, wenn zwei Minuten kein Mail am Schirm ist. Wer noch auf anderen Mailinglisten steht, kämpft mit Tausenden von Mails pro Tag, die alle gelesen werden wollen. Aber wie schafft man es, ein kompliziertes langes Mail in englischer UN-Konferenzsprache mit unzähligen für Nichteingeweihte kryptischen Abkürzungen in einer Minute zu lesen, wenn in dieser Zeit 3-5 neue Mails eintreffen? Es ist wie das Bergsteigen in einem Kar, wo das Geröll kein Weiterkommen ermöglicht. Ein Schritt vor, drei Schritte zurück. Nach einigen Jahren Erfahrung kriegt man es irgendwie hin, in Sekundenbruchteilen die wichtigen von den weniger wichtigen Mails zu unterscheiden. Zehn Minuten Internetausfall – und man hat das Gefühl, um Jahre zurückgeworfen zu sein.
Heute fand der große Marsch der Organisationen statt. Im Stadtzentrum bei Candelaria sammelten sich bei strömendem Regen gegen halb drei Uhr Zehntausende Menschen und Hunderte von Organisationen, Gewerkschaften, Bürgerrechtler, Antirassisten, Friedenskämpfer, Aktivisten jeder Schattierung. Samba-Gruppen, Clowns, Schauspieler, Redner mit Drachen, Riesen-Pappmache-Figuren, Bussen, LKWs – sogar ein Panzer, nahtlos bedeckt mit Brot, zogen lautstark und trillerpfeifend die Avenida Rio Branco hinunter zum Cinelandia-Platz. Indigene aus den Tiefen des Regenwaldes organisieren einen „Timber-Run“ und laufen unter dem riesigen Transparent durch, Hunderte von Fotografen und Kameraleuten rennen emsig hinterher. Sie sind auf der Jagd nach dem einen Foto, das die Welt verändern kann und selbst die hartgesottensten Politiker zu Tränen zu rühren vermag.

Die Aktivisten vom WWF – darunter ich selbst - von Greenpeace, der Caritas und vielen anderen NGOs aus aller Welt protestierten gegen die Umweltzerstörungspolitik von Präsidentin Dilma Rousseff, gegen Belo Monte, gegen die Blockadehaltung der Staaten, gegen den windelweichen Zukunftsentwurf der Delegierten. Sie kämpfen für soziale Gerechtigkeit, für die Erhaltung des Amazonasregenwaldes, für ein planetares Bewusstsein, für eine lebenswerte Zukunft, in der die Natur und die Menschheit überleben können. Viele von ihnen wissen nicht, welche eiskalten Kuhhandel hinter den Kulissen einer solchen Konferenz ablaufen, welche Deals hinter ihrem Rücken gemacht werden. Milliarden von Dollars und Milliarden von Menschenleben werden verschoben wie auf einem Monopoly-Spielfeld. Aber es ist das Ergebnis, das zählt. Und das Ergebnis von Rio+20 ist armselig. Das spüren sowohl der kleine brasilianische Bauer am Land und der Slumbewohner in Bombay.
Die Delegierten dieser Konferenz leben tagelang in einer Kunstlichtwolke, vollkommen abgeschottet von der Außenwelt, in einer Sphäre von Computern, Mikrofonen, Kameras, Blackberrys und iPhones. Sie essen abgepacktes Essen, atmen künstliche Luft aus den Klimaanlagen und fahren in sauberen Bussen in ihre Fünfstern-Hotels. Und das in einer Stadt, in der Hunderttausende Menschen in Favelas leben, wo der atlantische Regenwald zum kümmerlichen Rest wurde und wo nur noch die herumschwirrenden Moskitos an die einstige reichhaltige Natur erinnern. Ich meine, sie alle bräuchten eine Führung durch das Elend der Favelas oder in die noch intakten Regenwaldzonen am Amazonas um zu wissen wovon sie überhaupt reden. Wenn sie dann immer noch nichtssagende 49-Seiten-Papiere beschließen, wie das vorliegende dieses Erdgipfels, dann sind sie wenigstens wissentlich mitschuldig beim Verspielen unserer Zukunft auf diesem „Erdkipfel“ in Rio de Janeiro.
VIDEO: Protestmarsch in Rio WWF
VIDEO: Protestmarsch in Rio
Die Stadt gleicht einer belagerten Festung, mehr als 15.000 Polizisten sind im Einsatz. Um den riesigen Komplex des Riocentro stehen alle 30 Meter schwerbewaffnete Elitesoldaten. Ständig kreisen Hubschrauber über der Stadt. Links und rechts sind an den offenen Seiten Soldaten mit Maschinengewehren postiert. Selbst über den Stränden Copacabana und Ipanema dröhnt der Lärm der olivgrünen Rotoren. Der Verkehr ist extrem dicht und die Luft ist zum Schneiden. Der Lärm ist unerträglich – Hubschrauber, Autos, Klimaanlagen. Es dauert Stunden um zum Konferenzzentrum zu kommen, egal ob mit Bus oder Taxi. Anti-Bombenkommandos stehen vor dem Haupteingang. Die Sicherheitskontrollen werden immer schärfer.
Im Riocentro wird es immer schwieriger für die Organisationen der Zivilgesellschaft Sitzplätze, Netzwerkkabel und Steckdosen zu bekommen. Räume für Pressekonferenzen sind Mangelware. Viele Veranstaltungen mussten abgesagt werden. Einige wurden in den „Park der Athleten“ verlegt, einem riesigen Expo-Gelände wo sich die großen Konzerne dieser Welt präsentieren und zeigen wollen, wie grün sie nicht sind.
Nach einer Woche Arbeit hier geht nicht nur die physische Energie sondern auch die Stromversorgung aus. Das Internet fällt streckenweise komplett aus. Ein Schock für die Tausenden hochkarätigen Konferenzteilnehmer und Journalisten, die es gewohnt sind mit ein paar Mausklicks die Meinungen von Hunderten von Millionen Menschen zu steuern. Bei Hunderten von Mails, die täglich auf dem Blackberry allein vom WWF eintreffen, glaubt man schon an den Weltuntergang, wenn zwei Minuten kein Mail am Schirm ist. Wer noch auf anderen Mailinglisten steht, kämpft mit Tausenden von Mails pro Tag, die alle gelesen werden wollen. Aber wie schafft man es, ein kompliziertes langes Mail in englischer UN-Konferenzsprache mit unzähligen für Nichteingeweihte kryptischen Abkürzungen in einer Minute zu lesen, wenn in dieser Zeit 3-5 neue Mails eintreffen? Es ist wie das Bergsteigen in einem Kar, wo das Geröll kein Weiterkommen ermöglicht. Ein Schritt vor, drei Schritte zurück. Nach einigen Jahren Erfahrung kriegt man es irgendwie hin, in Sekundenbruchteilen die wichtigen von den weniger wichtigen Mails zu unterscheiden. Zehn Minuten Internetausfall – und man hat das Gefühl, um Jahre zurückgeworfen zu sein.
Heute fand der große Marsch der Organisationen statt. Im Stadtzentrum bei Candelaria sammelten sich bei strömendem Regen gegen halb drei Uhr Zehntausende Menschen und Hunderte von Organisationen, Gewerkschaften, Bürgerrechtler, Antirassisten, Friedenskämpfer, Aktivisten jeder Schattierung. Samba-Gruppen, Clowns, Schauspieler, Redner mit Drachen, Riesen-Pappmache-Figuren, Bussen, LKWs – sogar ein Panzer, nahtlos bedeckt mit Brot, zogen lautstark und trillerpfeifend die Avenida Rio Branco hinunter zum Cinelandia-Platz. Indigene aus den Tiefen des Regenwaldes organisieren einen „Timber-Run“ und laufen unter dem riesigen Transparent durch, Hunderte von Fotografen und Kameraleuten rennen emsig hinterher. Sie sind auf der Jagd nach dem einen Foto, das die Welt verändern kann und selbst die hartgesottensten Politiker zu Tränen zu rühren vermag.
Die Aktivisten vom WWF – darunter ich selbst - von Greenpeace, der Caritas und vielen anderen NGOs aus aller Welt protestierten gegen die Umweltzerstörungspolitik von Präsidentin Dilma Rousseff, gegen Belo Monte, gegen die Blockadehaltung der Staaten, gegen den windelweichen Zukunftsentwurf der Delegierten. Sie kämpfen für soziale Gerechtigkeit, für die Erhaltung des Amazonasregenwaldes, für ein planetares Bewusstsein, für eine lebenswerte Zukunft, in der die Natur und die Menschheit überleben können. Viele von ihnen wissen nicht, welche eiskalten Kuhhandel hinter den Kulissen einer solchen Konferenz ablaufen, welche Deals hinter ihrem Rücken gemacht werden. Milliarden von Dollars und Milliarden von Menschenleben werden verschoben wie auf einem Monopoly-Spielfeld. Aber es ist das Ergebnis, das zählt. Und das Ergebnis von Rio+20 ist armselig. Das spüren sowohl der kleine brasilianische Bauer am Land und der Slumbewohner in Bombay.
Die Delegierten dieser Konferenz leben tagelang in einer Kunstlichtwolke, vollkommen abgeschottet von der Außenwelt, in einer Sphäre von Computern, Mikrofonen, Kameras, Blackberrys und iPhones. Sie essen abgepacktes Essen, atmen künstliche Luft aus den Klimaanlagen und fahren in sauberen Bussen in ihre Fünfstern-Hotels. Und das in einer Stadt, in der Hunderttausende Menschen in Favelas leben, wo der atlantische Regenwald zum kümmerlichen Rest wurde und wo nur noch die herumschwirrenden Moskitos an die einstige reichhaltige Natur erinnern. Ich meine, sie alle bräuchten eine Führung durch das Elend der Favelas oder in die noch intakten Regenwaldzonen am Amazonas um zu wissen wovon sie überhaupt reden. Wenn sie dann immer noch nichtssagende 49-Seiten-Papiere beschließen, wie das vorliegende dieses Erdgipfels, dann sind sie wenigstens wissentlich mitschuldig beim Verspielen unserer Zukunft auf diesem „Erdkipfel“ in Rio de Janeiro.
VIDEO: Protestmarsch in Rio WWF
VIDEO: Protestmarsch in Rio
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>>> Mittwoch, 20.06.2012
Papier ohne Inhalt - Die große Enttäuschung in Rio
Völlig übermüdet und am Ende ihrer Kräfte harrten unsere Experten für Naturschutzfragen, Klimawandel, Energie, Wirtschaft und Politik gestern bis in die Morgenstunden im Riocentro-Konferenzgebäude aus. Brasilien wollte den Text von 56 Seiten unbedingt fertig haben, bevor heute Mittwoch die Staats- und Regierungschefs direkt vom G20-Gipfel in Mexiko direkt nach Rio fliegen. Viele Kollegen hatten überhaupt keine Zeit zu schlafen. Mit Schokolade und Keksen halten wir uns hier am Leben, für ein richtiges Essen ist kaum Zeit. Das Geheimnis ist dreimal so viel zum Frühstück essen wie sonst um den Tag bis spätabends zu überstehen. Viele von uns sind bereits krank, die meisten sind erkältet. Hier in den riesigen Hallen, die wie Flughafenhangars aussehen, wird die Temperatur herunter gekühlt, dass man vergessen könnte in einem tropischen Land zu sein. Überall dröhnen die Klimaanlagen und die Sonne blendet die Augen, wenn man die Kunstlichtsphäre verlässt. Und die Stadt Rio de Janeiro wirbt damit, dass 20 Prozent der Energie dieser Riesenkonferenz aus Biomasse stammt. Drei Grad wärmer hier und es könnte noch mehr Energie gespart werden.
Umso größer war die Enttäuschung gestern Morgen, als der Text veröffentlicht wurde, auf den sich die Diplomaten geeinigt hatten. Die Länder hatten zwei Jahre Zeit um sich auf einen Text zu einigen.
Am Dienstagmorgen riefen wir die Weltpresse zu unserem fast 30 Meter hohen Ballon, den wir in der Nähe des Konferenzzentrums aufstellten. Darauf stand in zwei Sprachen „Get serious! – Werdet endlich ernst!“ – damit wollten wir die Verhandler über die Medien weltweit aufrufen endlich aufhören zu reden und endlich zu handeln.

Wir hatten für die Aktion zwar eine Genehmigung, aber es dauerte nur ein paar Minuten bis plötzlich schwerbewaffnete Soldaten auftauchten und ein Hubschrauber über uns kreiste. Leider mussten wir die Aktion dann abbrechen, aber die Bilder und Videos gingen gestern um die Welt.
Zurück in den Hallen des UN-Komplexes hörten wir uns dann die Analysen unserer Experten an, die völlig enttäuscht waren. Die Staaten sollten sich schämen, einen solchen Entwurf zu präsentieren, meine ich. Die Politiker fliegen auf Kosten unserer Steuergelder nach Rio und es kommt nichts dabei heraus.
Wir brauchen eine Gesamtstrategie für unsere Zukunft, für ausreichend Nahrung, Wasser und Energie für neun Milliarden Menschen, die 2050 auf diesem Planeten leben werden. Wir brauchen eine Vision, wie das möglich ist ohne den Planeten komplett zu zerstören. Wir brauchen den Schutz der Meere und wirksam geschützte Marineparks. Heraus gekommen ist ein Papier mit dem Namen „Die Zukunft, die wir wollen“, in dem sich die Länder nicht zu wirklich neuen Lösungen bekennen. Statt Erfolgszusagen nur Verwendungszusagen. Eine in 200 Staaten gespaltene Welt hat offenbar noch nicht wirklich erkannt, dass wir alle in einem Boot sitzen. Auf diesem Erdgipfel scheint es vor allem darum zu gehen, wer den besseren Platz im Boot bekommt….
VIDEO : WWF-Sprecher Franko Petri nennt die wesentlichen WWF-Forderungen an den UN-Erdgipfel Rio+20, 19.6.2012
Am Dienstagmorgen riefen wir die Weltpresse zu unserem fast 30 Meter hohen Ballon, den wir in der Nähe des Konferenzzentrums aufstellten. Darauf stand in zwei Sprachen „Get serious! – Werdet endlich ernst!“ – damit wollten wir die Verhandler über die Medien weltweit aufrufen endlich aufhören zu reden und endlich zu handeln.
Wir hatten für die Aktion zwar eine Genehmigung, aber es dauerte nur ein paar Minuten bis plötzlich schwerbewaffnete Soldaten auftauchten und ein Hubschrauber über uns kreiste. Leider mussten wir die Aktion dann abbrechen, aber die Bilder und Videos gingen gestern um die Welt.
Zurück in den Hallen des UN-Komplexes hörten wir uns dann die Analysen unserer Experten an, die völlig enttäuscht waren. Die Staaten sollten sich schämen, einen solchen Entwurf zu präsentieren, meine ich. Die Politiker fliegen auf Kosten unserer Steuergelder nach Rio und es kommt nichts dabei heraus.
Wir brauchen eine Gesamtstrategie für unsere Zukunft, für ausreichend Nahrung, Wasser und Energie für neun Milliarden Menschen, die 2050 auf diesem Planeten leben werden. Wir brauchen eine Vision, wie das möglich ist ohne den Planeten komplett zu zerstören. Wir brauchen den Schutz der Meere und wirksam geschützte Marineparks. Heraus gekommen ist ein Papier mit dem Namen „Die Zukunft, die wir wollen“, in dem sich die Länder nicht zu wirklich neuen Lösungen bekennen. Statt Erfolgszusagen nur Verwendungszusagen. Eine in 200 Staaten gespaltene Welt hat offenbar noch nicht wirklich erkannt, dass wir alle in einem Boot sitzen. Auf diesem Erdgipfel scheint es vor allem darum zu gehen, wer den besseren Platz im Boot bekommt….
VIDEO : WWF-Sprecher Franko Petri nennt die wesentlichen WWF-Forderungen an den UN-Erdgipfel Rio+20, 19.6.2012
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>>> Dienstag, 19.06.2012
Hoffen auf das Gastgeberland Brasilien
Gestern Nachmittag fand ein Marsch von Tausenden Menschen statt der sich vom Museum für moderne Kunst durch die Innenstadt Rios bewegte. Die Demonstranten riefen immer wieder Sprechchöre und appellierten an die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff den Druck auf die Teilnehmerländer zu verstärken.

Brasilien ist nicht nur Gastgeberland sondern hat auch die Präsidentschaft des Erdgipfels inne. Frau Rousseff kann den aufgeweichten Entwurf für das Schlusspapier zurückweisen, wenn es keine verbindlichen Ziele, keinen konkreten Fahrplan und keine ambitionierten Visionen aufweist.
Es ist ein ständiges Hin- und Hergezerre, berichten unsere WWF-Experten, die in den unzähligen Verhandlungen, Sitzungen und Gesprächen mit den Delegierten versuchen die Ländervertreter von den Zielen des WWF zu überzeugen.
Insgesamt sind fast 90 WWF-Experten, Medienmanager und Lobbyisten für ein positives Ergebnis des Gipfels hier in Rio aktiv. Hunderte weitere WWF-Kollegen, die nicht nach Rio kommen konnten, arbeiten in mehr als in hundert Ländern und üben Druck auf ihre Regierungen aus.
Als die größten Blockierer wurden Kanada und die USA entlarvt. Kanada blockiert praktisch überall, egal ob es um die Ökologisierung der Weltwirtschaft oder um nachhaltige Entwicklungsziele geht. Die USA wehren sich besonders gegen ein neues internationales Recht der Hohen See, das ein Netzwerk von Meeresschutzgebieten vorsieht. Während die Entwicklungsländer auf die Folgekosten des Klimawandels pochen, mauern manche Staaten, weil sie Angst um ihre eigene Wirtschaft haben, darunter besonders die reichen Ölländer, die jährlich mit Milliardensubventionen gefüttert werden.

So liegen die Hoffnungen der Umweltorganisationen und NGOs auf den EU-Staaten, der gerade laufenden G20-Konferenz in Mexiko und einer harten Position des Gastgeberlandes Brasilien.
VIDEO : Jim Leape, der Direktor des WWF International, spricht über die Chancen des Erdgipfels von Rio, einen Tag vor Beginn der Konferenz und benennt die Länder, auf denen die Hoffnungen des WWF liegen.
Brasilien ist nicht nur Gastgeberland sondern hat auch die Präsidentschaft des Erdgipfels inne. Frau Rousseff kann den aufgeweichten Entwurf für das Schlusspapier zurückweisen, wenn es keine verbindlichen Ziele, keinen konkreten Fahrplan und keine ambitionierten Visionen aufweist.
Es ist ein ständiges Hin- und Hergezerre, berichten unsere WWF-Experten, die in den unzähligen Verhandlungen, Sitzungen und Gesprächen mit den Delegierten versuchen die Ländervertreter von den Zielen des WWF zu überzeugen.
Als die größten Blockierer wurden Kanada und die USA entlarvt. Kanada blockiert praktisch überall, egal ob es um die Ökologisierung der Weltwirtschaft oder um nachhaltige Entwicklungsziele geht. Die USA wehren sich besonders gegen ein neues internationales Recht der Hohen See, das ein Netzwerk von Meeresschutzgebieten vorsieht. Während die Entwicklungsländer auf die Folgekosten des Klimawandels pochen, mauern manche Staaten, weil sie Angst um ihre eigene Wirtschaft haben, darunter besonders die reichen Ölländer, die jährlich mit Milliardensubventionen gefüttert werden.
So liegen die Hoffnungen der Umweltorganisationen und NGOs auf den EU-Staaten, der gerade laufenden G20-Konferenz in Mexiko und einer harten Position des Gastgeberlandes Brasilien.
VIDEO : Jim Leape, der Direktor des WWF International, spricht über die Chancen des Erdgipfels von Rio, einen Tag vor Beginn der Konferenz und benennt die Länder, auf denen die Hoffnungen des WWF liegen.
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>>> Montag, 18.06.2012
Die Alternative in Rio: Der Gipfel der Völker
Neben der offiziellen UN-Konferenz für Nachhaltige Entwicklung haben sich hier in Rio de Janeiro Hunderte von Organisationen zusammengefunden um einen Alternativgipfel abzuhalten. Dieser Gipfel findet an einem wunderschönen Strand mit Blick auf den berühmten Zuckerhut statt. Es gibt viel zu sehen.

Indigene Amazonasbewohner mit ihrem Kopfschmuck, die Gewerkschaften, Parteien, die Zivilgesellschaft, Menschenrechtler, Umweltaktivisten, Bio-Firmen – es sind Hunderte von Zelten und Stände, die Farbe in den grauen Gipfel bringen. Der Gipfel der Völker trifft sich im Park der Flamingos, 45 Kilometer entfernt vom offiziellen UN-Gipfel.

Von morgens bis abends gibt es Diskussionsrunden, Reden, Aktionen, Musik, Tanz und Demonstrationen mit Hunderten Teilnehmern.
Es sieht fast aus wie eine Mischung aus Karneval von Rio und Donauinselfest.
Viele Besucher des Alternativgipfels lehnen den offiziellen Gipfel ab. Denn sie sagen, dass viele gesellschaftliche Kräfte ausgeschlossen wurden.

Sie glauben nicht an eine grüne Wirtschaft und misstrauen den Delegierten der Länder, denen es nicht um die Rettung der Welt sondern nur um nationale Pfründe geht. Und das bringen sie lautstark und farbenfroh zum Ausdruck.

Ganz unrecht haben die Aktivisten nicht, denn wenn man sich den bisherigen Entwurf ansieht, dann wimmelt er von allgemeinen und leeren Phrasen, Unverbindlichkeiten, Inaussichtstellungen und zurückhaltenden Formulierungen. Unsere WWF-Experten sprechen den ganzen Tag mit den Delegierten und Diplomaten und versuchen sie zu überzeugen, dass es hier nicht um leere Papiere geht sondern Rio+20 soll ein Handbuch für die Rettung der Welt produzieren. Es wäre schön, wenn die Aktivisten am Alternativgipfel nicht Recht behalten und der UN-Gipfel nicht zu einem Riominus20 wird.
VIDEO: Was passieren muss, damit der Erdgipfel Rio+20 ein Erfolg wird, Interview mit Felix Gnehm, Entwicklungsexperte des WWF Schweiz
Indigene Amazonasbewohner mit ihrem Kopfschmuck, die Gewerkschaften, Parteien, die Zivilgesellschaft, Menschenrechtler, Umweltaktivisten, Bio-Firmen – es sind Hunderte von Zelten und Stände, die Farbe in den grauen Gipfel bringen. Der Gipfel der Völker trifft sich im Park der Flamingos, 45 Kilometer entfernt vom offiziellen UN-Gipfel.
Von morgens bis abends gibt es Diskussionsrunden, Reden, Aktionen, Musik, Tanz und Demonstrationen mit Hunderten Teilnehmern.
Es sieht fast aus wie eine Mischung aus Karneval von Rio und Donauinselfest.
Viele Besucher des Alternativgipfels lehnen den offiziellen Gipfel ab. Denn sie sagen, dass viele gesellschaftliche Kräfte ausgeschlossen wurden.
Sie glauben nicht an eine grüne Wirtschaft und misstrauen den Delegierten der Länder, denen es nicht um die Rettung der Welt sondern nur um nationale Pfründe geht. Und das bringen sie lautstark und farbenfroh zum Ausdruck.
Ganz unrecht haben die Aktivisten nicht, denn wenn man sich den bisherigen Entwurf ansieht, dann wimmelt er von allgemeinen und leeren Phrasen, Unverbindlichkeiten, Inaussichtstellungen und zurückhaltenden Formulierungen. Unsere WWF-Experten sprechen den ganzen Tag mit den Delegierten und Diplomaten und versuchen sie zu überzeugen, dass es hier nicht um leere Papiere geht sondern Rio+20 soll ein Handbuch für die Rettung der Welt produzieren. Es wäre schön, wenn die Aktivisten am Alternativgipfel nicht Recht behalten und der UN-Gipfel nicht zu einem Riominus20 wird.
VIDEO: Was passieren muss, damit der Erdgipfel Rio+20 ein Erfolg wird, Interview mit Felix Gnehm, Entwicklungsexperte des WWF Schweiz
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>>> Freitag, 15.06.2012
Die Ruhe vor dem Rio-Sturm
Ich bin nun seit einem Tag in Rio. Es ist Winter hier, die Temperaturen sinken nachts auf empfindliche 18 Grad. Es sind relativ wenige Badende am Strand von Copacabana zu sehen.
Die meisten WWF-Kollegen sind nahe an der Copacabana untergebracht, weil dort die alten Apartments günstiger sind und frühzeitig gebucht wurden. Neben den Vermietern und Hotelbesitzern sind die Taxifahrer wohl auch die Hauptprofiteure des Gipfels hier. Rio ist total ausgebucht und wer überhaupt noch eine Unterkunft bekommt kann mit zehnfachen Preisen rechnen.
Die Straßen Rios sind verstopft, es herrscht den ganzen Tag Verkehrsstau. Es dauert mit dem Taxi mehr als eine Stunde um dorthin zu kommen. Wir fahren zu dritt um Kosten zu sparen. Es geht vorbei an den letzten Resten des atlantischen Waldes, von dem nur mehr sieben Prozent der ursprünglichen Wälder existieren. Die offiziellen Busshuttles fahren unregelmäßig und es gehen Gerüchte herum, dass die Fahrt mit ihnen mehr als zwei Stunden dauert. 4 Stunden für die Hin- und Rückfahrt ist ein Zeitverlust, den wir uns hier nicht leisten können. Das etwas außerhalb gelegene Konferenzzentrum Riocentro ist ein gesichtsloser Komplex aus mehreren Pavillons.
Von einer Infrastruktur mit ruhigen Räumen für Meetings und Interviews, einem Büro oder einem Stand wie auf den Klimakonferenzen in Kopenhagen und Durban können wir hier nur träumen. Überall dröhnen die Generatoren und Klimaanlagen. Privilegien wie eigene Räumlichkeiten sind nur den offiziellen Delegationen vorbehalten. Unsere Meetings finden teilweise am nackten Boden statt. Unser WWF-Team versucht aus dem gewaltigen Angebot an Veranstaltungen, Aktionen, Pressekonferenzen, bilateralen Gesprächen und Meetings die wesentlichen Events herauszufiltern. Der Erdgipfel ist als papierlose Konferenz gestaltet. Nur das Notwendigste soll ausgedruckt werden. In einem riesigen Pavillon wurde ein Restaurant- und Snackbereich eingerichtet. Es gibt kaum nachhaltige Produkte zu kaufen. Überall Fastfood-Ketten, Alu-Dosen. Die Preise sind extrem unverschämt. Das Essen ist teurer als auf allen anderen Konferenzen bisher – Preise wie auf den Nobelstraßen Europas – ein Schock für NGO-Vertreter aus aller Welt, die die Kosten so gut wie möglich reduzieren müssen. Aber es gibt am Gelände kaum eine andere Möglichkeit. Mitgebrachte Lunchpakete sind die einzige Option über den Tag zu kommen.
Inzwischen laufen die Verhandlungen im Vorfeld des Gipfels.
Gestern Abend gab es eine positive Überraschung: Neun Länder fehlen noch, bis die Flüssekonvention der Vereinten Nationen in Kraft treten kann. Nun haben zwölf weitere Länder angekündigt bis spätestens 2013 die Konvention zu ratifizieren. Immerhin geht es dabei um die weltweite Regelung von 60 Prozent des globalen Trinkwassers für 40 Prozent der Menschheit. Wasser ist eines der drei Topthemen hier, denn 2,5 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu sanitären Anlagen oder sauberem Trinkwasser. 2030 werden wir um fast ein Drittel mehr Wasser für die steigende Weltbevölkerung brauchen. Ohne wirksame internationale Regelungen sind Kriege um das lebensnotwendige Wasser vorprogrammiert. Und es ist eine wichtige Aufgabe dieser Konferenz solche Konflikte zu verhindern.
Die Straßen Rios sind verstopft, es herrscht den ganzen Tag Verkehrsstau. Es dauert mit dem Taxi mehr als eine Stunde um dorthin zu kommen. Wir fahren zu dritt um Kosten zu sparen. Es geht vorbei an den letzten Resten des atlantischen Waldes, von dem nur mehr sieben Prozent der ursprünglichen Wälder existieren. Die offiziellen Busshuttles fahren unregelmäßig und es gehen Gerüchte herum, dass die Fahrt mit ihnen mehr als zwei Stunden dauert. 4 Stunden für die Hin- und Rückfahrt ist ein Zeitverlust, den wir uns hier nicht leisten können. Das etwas außerhalb gelegene Konferenzzentrum Riocentro ist ein gesichtsloser Komplex aus mehreren Pavillons.
Inzwischen laufen die Verhandlungen im Vorfeld des Gipfels.
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>>> Mittwoch, 13.06.2012
Wir schreiben das Jahr 2032 – es gipfelt alle 20 Jahre wieder…
Wir schreiben das Jahr 2032. Alle Zeitungen berichten über die Nachfolgekonferenz von Rio+20, die vor 20 Jahren im Jahr 2012 stattfand. Eine internationale Karawane von mehr als 50.000 Menschen – Staats- und Regierungschefs, Minister, NGO-Vertreter, Journalisten, Aktivisten aller Schattierungen – kamen damals zum Erdgipfel der Hoffnung. 2012 war das Jahr, in dem die Welt unter einer globalen Wirtschaftskrise litt, die einige Jahre zuvor durch den Zusammenbruch einiger Banken ausgelöst wurde. Staaten wie Irland, Griechenland, Spanien und Portugal gingen damals pleite. Der Euro verlor an Wert, die EU steckte in einer tiefen Krise. Die Schattenseiten einer globalisierten Wirtschaft kamen ans Tageslicht. Freie Märkte, die einige wenige Milliardäre hervorbrachten und Milliarden in Armut stürzten, führten Krieg gegen den gesamten Planeten und seine Lebenswelt. Sie wurden unterstützt von den Politikern der Industrieländer, die Milliardensubventionen in das Karussell der Zerstörung fließen ließen. Eigentlich sollte die Globalisierung die Armut im Süden bekämpfen und den Lebensstandard der armen Länder heben. Das gelang zwar zum Teil in einigen Ländern wie Indien, aber um welchen Preis! „Die Arme der globalisierten Wirtschaft waren so lang geworden, dass die Konzerne nicht mehr sehen konnten, was die Hände anstellten“ (und zerstörten), wie die Analystin Helena Norberg-Hodge die Lage damals ausdrückte.
Ein entfesseltes industrielles System, das im Blindflug über den Planeten zieht und bei jedem Unfall noch immer den Götzen Wirtschaftswachstum anbetete. Eine Lösung war nicht in Sichtweite. Nur ein paar Umweltorganisationen und Wissenschaftler hatten Lösungen anzubieten – aber die waren den Staaten und der Wirtschaft viel zu teuer.
1972 fand die erste Weltumweltkonferenz in Stockholm statt. Damals war das Thema Umwelt ein Orchideenfach für einige belächelte Ökos, die angeblich lieber in den Bäumen als in modernen Städten leben wollten. Der erste Bericht an den Club of Rome sprach von der Endlichkeit der Ressourcen unseres Planeten. Der Klimawandel war noch ein Hirngespinst einiger verrückter Klimatologen. Erst in den Jahren danach kam es zu einer Veränderung des Denkens. Die Umwelt- und Anti-Atom-Bewegung und andere neue Kräfte der Zivilgesellschaft formierten sich, grüne Parteien entstanden und die etablierten Parteien wurden grüner. Das Waldsterben und die Zerstörung der Ozonschicht waren reale Bedrohungen, wo dringender Handlungsbedarf bestand.
Und so floss langsam ein neues Umweltbewusstsein in die Politik und zahlreiche Gesetze wurden erlassen – teilweise mit Erfolg, teilweise um die wirklichen Probleme zu überdecken. Mit der Öffnung Osteuropas floss das neue Öko-Denken auch langsam in die Länder des ehemaligen kommunistischen Comecon.
1992 kumulierten die neuen Bewegungen der Zivilgesellschaft im ersten großen Erdgipfel von Rio. Die Welt erwartete sich die Lösung aller Probleme des Planeten von den 10.000 Teilnehmern. Alles wurde miteinander vernetzt: Umwelt, Entwicklung, Ernährung, Wasser, Armut und Reichtum. Heraus kam zwar eine Welle neuer internationaler Abkommen – die Klimarahmenkonvention mit dem Kyoto-Protokoll, die Agenda 21, die Artenvielfaltskonvention und andere. 1992 war bereits bekannt, dass unser Planet einen vom Menschen hausgemachten Klimawandel erlebte. Nur die Ausmaße dieser Bedrohung konnten noch nicht bewiesen werden. Hätte die Menschheit damals die Zeichen richtig erkannt, gedeutet und entsprechend gehandelt, hätte es 20 Jahre später, 2012, vielleicht keinen zweiten Erdgipfel mehr gebraucht.
Und so kam es 2012 zu einer neuen Auflage des Erdgipfels – wieder in Rio de Janeiro. Der WWF warnte in diesem Jahr in seinem Living Planet Report, dass die Artenvielfalt seit der ersten Umweltkonferenz 1972 um 30 Prozent zurück gegangen war. Gleichzeitig stieg unser Anspruch an die Rohstoffe des Planeten so immens, dass wir schon eineinhalb Planeten zu viel brauchten.

„Wie machen wir die Wirtschaft so grün, dass sie den Planeten nicht weiter zerstört?“ – das war das Motto damals. Der WWF forderte eine ökologische Vollkostenrechnung für ganze Volkswirtschaften und multinationale Konzerne. Milliardensubventionen für fossile Energie, Land- und Forstwirtschaft sowie für nicht nachhaltige Fischerei sollten auslaufen. Neue nachhaltige Entwicklungsziele für die Zeit nach 2015 standen auf dem Programm des Gipfels. 50.000 Teilnehmer diskutierten in Hunderten von Teilkonferenzen, wie 2030 genügend Wasser, Nahrung und Energie für alle Menschen bereit gestellt werden könnte, ohne dass die Ressourcen des Planeten bis zum Letzten verbraucht werden.
Auch wurde das UNO-Umweltprogramm UNEP zu einer eigenen Organisation (UNEO) umgeformt, neue internationale Räte für nachhaltige Entwicklung wurden eingerichtet. Der völkerrechtlich bisher rechtsfreie Raum der Hohen See wurde zaghaft in ersten Abkommen angedacht, die damals in Aussicht gestellt wurden. Aber im Wesentlichen blieb der zweite Erdgipfel von Rio ohne wirklich durchschlagende Erfolge.
Heute im Jahr 2032 können wir nur lächeln über diese zaghaften Gehversuche unseren Planeten zu retten. Der Erdgipfel 2012 war zwar ein Hoffnungsschimmer – aber eben nur ein Schimmer. Ach hätten wir doch damals gewusst, was in den nächsten 20 Jahren auf uns zukommt. Aber haben wir es nicht eigentlich schon gewusst was wirklich kommen wird? Heute ist das Erdöl längst so teuer geworden, dass die meisten Volkswirtschaften zusammengebrochen sind, weil kein globalisierter Handel ohne Öl machbar ist. Die Entwicklung Erneuerbarer Energien ging zu langsam, weil die Subventionen in die falsche Richtung gesteuert wurden. Die meisten politischen und wirtschaftlichen Blöcke sind zerfallen. Der Schatten der Armut hat längst Europa und die USA erfasst. Kaum ein Land, in dem nicht Bürgerkrieg herrscht. Die Menschen mussten sich wieder auf die lokale Landwirtschaft besinnen um zu überleben und trotzen den neuen klimatischen Bedingungen. Südeuropa wurde immer mehr zur Wüste, die Inselstaaten im Pazifik sind überschwemmt. Die Gletscher sind zum Großteil abgeschmolzen, der Amazonasregenwald auf ein Minimum reduziert. Weltweit hat der Klimawandel die Niederschlagsverhältnisse auf den Kopf gestellt. Die Folgen der Erderwärmung haben Ströme von Millionen Flüchtlingen quer durch die Welt gejagt.
Und viele, die 2012 schon auf der Welt waren, sehnen sich nach der Zeit vor 20 Jahren, in der es noch eine Chance gab für das Überleben der Menschheit, eine Chance auf nachhaltige Entwicklung, auf umfassenden Natur- und Umweltschutz, auf eine Anpassung und Minderung des Klimawandels, eine Chance auf wirkliche globale Lösungen…..
HALLO, BITTE AUFWACHEN! Wer bis hierher gelesen hat, dürfte wohl während der ersten Zeilen dieses Blogs eingeschlafen sein und von einer schlimmen Zukunft albgeträumt haben. Aber das ist ja auch kein Wunder, denn Umweltorganisationen wie der WWF können mit ihren apokalyptischen Visionen manchmal ganz schön einschläfernd sein. Selbstverständlich wurde der Erdgipfel von Rio 2012 ein durchschlagender Erfolg für den Planeten Erde. Und so brachen in den darauf folgenden 20 Jahren grüngoldene Zeiten an, von denen die Menschen noch im Jahr 2052 träumen werden….
Lesen Sie hier mehr zum Erdgipfel Rio+20.
1972 fand die erste Weltumweltkonferenz in Stockholm statt. Damals war das Thema Umwelt ein Orchideenfach für einige belächelte Ökos, die angeblich lieber in den Bäumen als in modernen Städten leben wollten. Der erste Bericht an den Club of Rome sprach von der Endlichkeit der Ressourcen unseres Planeten. Der Klimawandel war noch ein Hirngespinst einiger verrückter Klimatologen. Erst in den Jahren danach kam es zu einer Veränderung des Denkens. Die Umwelt- und Anti-Atom-Bewegung und andere neue Kräfte der Zivilgesellschaft formierten sich, grüne Parteien entstanden und die etablierten Parteien wurden grüner. Das Waldsterben und die Zerstörung der Ozonschicht waren reale Bedrohungen, wo dringender Handlungsbedarf bestand.
1992 kumulierten die neuen Bewegungen der Zivilgesellschaft im ersten großen Erdgipfel von Rio. Die Welt erwartete sich die Lösung aller Probleme des Planeten von den 10.000 Teilnehmern. Alles wurde miteinander vernetzt: Umwelt, Entwicklung, Ernährung, Wasser, Armut und Reichtum. Heraus kam zwar eine Welle neuer internationaler Abkommen – die Klimarahmenkonvention mit dem Kyoto-Protokoll, die Agenda 21, die Artenvielfaltskonvention und andere. 1992 war bereits bekannt, dass unser Planet einen vom Menschen hausgemachten Klimawandel erlebte. Nur die Ausmaße dieser Bedrohung konnten noch nicht bewiesen werden. Hätte die Menschheit damals die Zeichen richtig erkannt, gedeutet und entsprechend gehandelt, hätte es 20 Jahre später, 2012, vielleicht keinen zweiten Erdgipfel mehr gebraucht.
Und so kam es 2012 zu einer neuen Auflage des Erdgipfels – wieder in Rio de Janeiro. Der WWF warnte in diesem Jahr in seinem Living Planet Report, dass die Artenvielfalt seit der ersten Umweltkonferenz 1972 um 30 Prozent zurück gegangen war. Gleichzeitig stieg unser Anspruch an die Rohstoffe des Planeten so immens, dass wir schon eineinhalb Planeten zu viel brauchten.
„Wie machen wir die Wirtschaft so grün, dass sie den Planeten nicht weiter zerstört?“ – das war das Motto damals. Der WWF forderte eine ökologische Vollkostenrechnung für ganze Volkswirtschaften und multinationale Konzerne. Milliardensubventionen für fossile Energie, Land- und Forstwirtschaft sowie für nicht nachhaltige Fischerei sollten auslaufen. Neue nachhaltige Entwicklungsziele für die Zeit nach 2015 standen auf dem Programm des Gipfels. 50.000 Teilnehmer diskutierten in Hunderten von Teilkonferenzen, wie 2030 genügend Wasser, Nahrung und Energie für alle Menschen bereit gestellt werden könnte, ohne dass die Ressourcen des Planeten bis zum Letzten verbraucht werden.
Heute im Jahr 2032 können wir nur lächeln über diese zaghaften Gehversuche unseren Planeten zu retten. Der Erdgipfel 2012 war zwar ein Hoffnungsschimmer – aber eben nur ein Schimmer. Ach hätten wir doch damals gewusst, was in den nächsten 20 Jahren auf uns zukommt. Aber haben wir es nicht eigentlich schon gewusst was wirklich kommen wird? Heute ist das Erdöl längst so teuer geworden, dass die meisten Volkswirtschaften zusammengebrochen sind, weil kein globalisierter Handel ohne Öl machbar ist. Die Entwicklung Erneuerbarer Energien ging zu langsam, weil die Subventionen in die falsche Richtung gesteuert wurden. Die meisten politischen und wirtschaftlichen Blöcke sind zerfallen. Der Schatten der Armut hat längst Europa und die USA erfasst. Kaum ein Land, in dem nicht Bürgerkrieg herrscht. Die Menschen mussten sich wieder auf die lokale Landwirtschaft besinnen um zu überleben und trotzen den neuen klimatischen Bedingungen. Südeuropa wurde immer mehr zur Wüste, die Inselstaaten im Pazifik sind überschwemmt. Die Gletscher sind zum Großteil abgeschmolzen, der Amazonasregenwald auf ein Minimum reduziert. Weltweit hat der Klimawandel die Niederschlagsverhältnisse auf den Kopf gestellt. Die Folgen der Erderwärmung haben Ströme von Millionen Flüchtlingen quer durch die Welt gejagt.
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WWF Austria @ 14.06.2012 @ 08:57
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